Realprogymnasium, 1868 - 1924

   
 
Die Schule wurde 1868 als höhere Bürgerschule zunächst mit den unteren Klassen begründet.
 
  1870 erhielt die Schule ein geeignetes Gebäude am Kiesserdamm, das am 7. September
   von Bürgermeister Dr. Floerke seiner Bestimmung übergeben wurde. Ostern 1872 hatte
  der Ausbau der Schule durch Einrichtung einer ersten Klasse, die der Sekunda einer
  Realschule 1. Ordnung entsprach, seinen Abschluss erreicht. Im Frühjahr 1875 fand die
  erste Reifeprüfung statt, auf Grund deren die Anerkennung der Schule vom Reichskanzler-
  amt ausgesprochen wurde. Damit war der Schule die Möglichkeit gegeben, ihren Schülern
  neben anderen Berechtigungen auch die zum einjährigfreiwilligen Militärdienst zu
  verschaffen.

  Die Kriegsjahre 1914/18 wirkten sich nachteilig auf die Situation dieser Schule aus.
  Einziehung von Lehrkräften zum Militärdienst bedingten eine Zusammenlegung von
  Klassen.

  Die Abnahme der Schülerzahl veranlasste im Jahre 1919 den Beschluss, das Realpro-
  gymnasium zu einer Realschule mit wahlfreiem Latein umzubauen. Dieser Umbau war
  Ostern 1924 abgeschlossen.

 
Im Staatskalender werden für das Jahr 1871 folgende Lehrer genannt:

Dr. Carl Franz Schubarth, Dirigent und 1. Lehrer
Wilhelm Bader, zweiter Lehrer

Ferdinand Ehlerding, dritter Lehrer
Johann Straht, vierter Lehrer, ad int.
Mulsow, fünfter Lehrer
 

Im Schuljahr von Ostern 1879 bis Ostern 1880 unterrichteten an der Schule:

Erste Klasse, Kursus zweijährig,            Ordinarius: Schubarth
Zweite Klasse, Kursus zweijährig,          Ordinarius: Hasenkamp
Dritte Klasse, Kursus einjährig,              Ordinarius: Strath
Vierte Klasse, Kursus einjährig,             Ordinarius: Dillau
Fünfte Klasse, Kursus einjährig,             Ordinarius: Kandidat Ribcke
Sechste Klasse, Kursus zweijährig,       Ordinarius: Mulsow

 Weitere Lehrer waren:                                                                                                    Wilhelm Bader
 Wilhelm Bader, Evers und  Pommerenke



                                 
                                                            Sitzend von links nach rechts: Strath, Hasenkamp, Dr. Schubarth, Bader, Dillau 
                                                            Stehend von links nach rechts: Evers, Ribcke, Pommerenke      
               

                                                         Anzahl und Alter der Schüler des Realprogymnasiums im Schuljahr 1879/80

 


     1880, Dr. Schubarth mit seinen Schülern                                                       Lehrer Strath mit seiner Klasse                                                 

   

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                     Quelle für die unteren 7 Bilder: Frau Stolzenburg                                               
   Lehrer  Mulsow mit seinen Klassen

   Aus dem Schuljahr 1879/80

  
Januar 1880, schriftliche Prüfung der Abiturienten. Folgende Aufgaben wurden gestellt:
   1. Deutscher Aufsatz: Heinrich IV. und Gregor VII.
   2. Übersetzung Deutsch – Latein
   3. Übersetzung Deutsch – Französisch
   4. Übersetzung Deutsch – Englisch ,         jeweils ohne Benutzung eines Wörterbuches!
   5. Mathematik

   Am 26. Februar 1880 fand unter dem Vorsitz des Schulrates Dr. Hartwig und in Gegenwart des Bürgermeisters Dr. Floerke
   und des Senators Bollbrügge die mündliche Abiturprüfung statt.

   Das Abitur haben 1880 bestanden:

  1. August Friedrich Wilhelm Grebbin
  2. Friedrich Georg August Havekost
  3. Karl Heinrich Schell
  4. Heinrich Christian Staude
  5. Ernst Bernhard Friedrich Brunnckow
  6. Karl Otto Feldten
  7. Wilhelm August Johann Wille
  8. Friedrich Christian Karl Rakow

  Bemerkenswert ist die Turnfahrt im Jahre 1879:
  Am 20. und 21. Juni Turnfahrt der größeren Schüler  zu Fuß nach Dömitz, von da auf einem Dampfschiff bis Lauenburg, dann zu Fuß nach Boizenburg, von
  da auf der Eisenbahn nach Ludwigslust und von da zu Fuß zurück nach Grabow.

  Erzählungen eines alten Grabower Schülers 
  aus seiner Schulzeit von Ostern 1875 bis Ostern 1887

   Zu Beginn meiner Schulzeit gab es noch keine großen Bonbontüten für die ABC-Schützen – und was wichtiger war, es gab noch keine sogenannte
   Vorschule an dem damaligen Realprogymnasium. Vor dem Eintritt in die Sexta mussten die Schüler vier Jahre die hiesige Bürgerschule besuchen,
   genau so wie es heute auch wieder der Fall ist. Unsere Grabower Höhere Schule hat vielen Grabower Söhnen die Möglichkeit gegeben, durch den
   Besuch derselben sich eine höhere Lebensstellung zu erringen, als es ihnen ohne diese Schule schwerlich möglich gewesen wäre.
   Wir Grabower sind daher noch nachträglich der damaligen Stadtverwaltung und der Bürgervertretung zu großem Dank verpflichtet dafür, dass sie diese
   Höhere Schule ins Leben rief.
   Meine Schulzeit verlief im allgemeinen normal, nie ganz oben und auch nie ganz unten. Die Kameradschaft unter uns Schülern war tadellos, unsere
   Umgangssprache außerhalb der Schulstunden war ausschließlich plattdeutsch. Kamen auswärtige Schüler namentlich aus der Prignitz zu uns mit ihrer
   hochdeutschen Sprache, so wurden dieselben zunächst als „Utlänner“ bezeichnet und auch wegen ihrer hochdeutschen Sprache als „Gälsnackers“.
   …..
  Unsere Grabower Höhere Schule wurde als Realprogymnasium ins Leben gerufen, sie schloß mit der Obersekunda, so dass die Schüler zur Erlangung des
  sogenannten Einjährigenscheins auch die Obersekunda durchmachen mussten, um dann abschließend durch eine schriftliche und mündliche Prüfung,
  letztere unter Aufsicht des Schulrates für das höhere Lehrwesen in Mecklenburg, den Berechtigungsschein zum Einjährigendienst zu erlangen. Hiermit
  war dann aber auch gleichzeitig die Berechtigung zum Eintritt in die Unterprima einer höheren Lehranstalt verbunden. Besonders schlaue Schüler, deren
  Eltern ihnen den Spaß erlauben konnten, gingen häufig mit ihrer Versetzung nach Untersekunda auf die Ludwigsluster Schule über, um sich dort mit dem
  einjährigen erfolgreichen Besuch der Untersekunda diesen Schein möglichst schnell und bequem zu ersitzen, vielfach beneidet von den unserer Grabower
  Schule treu Gebliebenen.

   Christian Rose, 1939

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