Zur Geschichte der Friedrich-Franz-Straße

  
  
Zitiert nach Dr. Havemann, Chronik der Stadt Grabow, S. 220

   „Um 1860 gab es noch keine Friedrich-Franz-Straße, heute Willi-Fründt-Straße. Nur ein sogenannter Wassergang ging zwischen dem Haus des
   Kaufmanns Siegert links und dem der Witwe Ellert rechts zur Elde hinunter und wollte man dort über den Fluß, so setzte man sich in einen Kahn, den
   man mittels einer Winde hinüberziehen konnte. 1871 baute der Schankwirt Christian Brunow, der auf dem anderen Ufer eine Gastwirtschaft besaß
   (Bürgergarten), mit Genehmigung der Stadt, des Amtes und der Regierung eine 5 Meter breite Fußgängerbrücke aus Holz, mit Seitenwänden aus
   Mauersteinen und er verpflichtete sich, alles Kraut, dass an den Brückenpfeilern sich verfing, wegzuräumen. Er gestattete den Grabowern freien Übergang
   von 7 bis 19 Uhr, jedoch nur für Fußgänger. Da die Brücke im Friedensjahr 1871 gebaut worden war, nannte man sie Friedensbrücke. Der Verkehr nahm
   sehr zu, so dass 1880 die Stadt Brunckow mit Mitteln zur Ausbesserung helfen musste.
  
  1886 kaufte Georg Behncke den Gasthof und ging die gleichen Verpflichtungen
  wie sein Vorgänger ein. Als er aber die Stadt für den Weg, der durch seinen
  Garten zur Prislichen Straße führte, um Kies bat, schlug diese ihm vor, gegen
  Abtretung des Wegstreifens die Erhaltung der Brücke zu übernehmen. Die
  Erbauung der Marnitzer Chaussee machte bei der Enge der Mühlenstraße
  einen Zugang von Osten erforderlich, und da Versuche, die Amtsinsel zu
  benutzen, erfolglos waren, so stellten 1882 eine Reihe von Bürgern den Antrag,
  eine solche Zufahrt zu schaffen. Die einen wollten die Verbindung durch das
  Landreitertor, die andern durch den Großen Wandrahm führen. Diese Vorschläge
  stießen auf den Widerstand der Kaufleute der Mühlenstraße, die eine
  Verringerung des Geschäftsverkehrs in dieser Straße befürchteten.

  1889 tauchte ein anderer Plan auf. Im September dieses Jahres war das
  Maasche, früher Ellertsche Grundstück Ecke Große Straße – Wassergang
  abgebrannt. Sofort forderten die Antragsteller von 1882 den Ankauf der Hausstelle
  seitens der Stadt zur Verbreiterung des Wassergangs und zur Schaffung eines
  neuen Zugangs zur Stadt im Zuge der Friedensbrücke.  Trotz des Protestes der
  Mühlenstraßenpartei kaufte die Stadt das Grundstück und beschloß, den
  Entwurf für eine Brücke ausarbeiten zu lassen. Eine 1891 durchgeführte
  Untersuchung zeigte deren schadhaften Zustand an.

  Inzwischen hatte der Kaufmann Martiensen in der Mühlenstraße sich in den Besitz der Behnckschen Gastwirtschaft gesetzt und weigerte sich nun, das zur
  Durchführung der Straße nötige Terrain abzutreten. Auch der Müller Bollbrügge war gegen die Brücke, da er glaubte, der Wasserfluß zur Mühle könnte
  darunter leiden. Doch die Entwicklung der Angelegenheit war nicht aufzuhalten, und am 2. Oktober beschloß man in der Bürgerschaft mit 8 gegen 6 Stimmen
  den Bau der Brücke und Straße. Am 11 November wurde das benötigte Martiensche Gelände enteignet. Am 7. November traf vom Ministerium des Innern die
  Entscheidung ein, Brücke und Straße seien nötig, die Einwände Martiensen und Bollbrügge nicht stichhaltig, die Enteignung also berechtigt. Damit war der
  Bau genehmigt. Martiensen machte noch allerhand Schwierigkeiten, musste dann aber doch gegen 4460 Mark das geforderte Gebiet abtreten. 1892 wurde
  die Brücke mit hölzernen Oberbau und eisernen Streben für eine Last von 200 Zentnern gebaut und auch die Straße angelegt, welche den Namen
  Friedrich-Franz-Straße erhielt.

Schon 1899 war die Brücke sehr reparaturbedürftig und Mitte 1911 in solchem Zustand, dass ein völliger Neubau beschlossen wurde. Nun sollte es eine 6 m breite Betonbrücke werden, auf der also Kraftwagen, Lastwagen und sogar Dampfwalzen fahren konnten. Die Ausführung des Baus übertrug man der Firma Drenckhahn und Südkop in Braunschweig, die Bauleitung dem Landbaumeister Klett.

Am 28. Mai begannen die Arbeiten. Die eine Hälfte der Brücke blieb vorläufig für den Notverkehr bestehen. Aber bereits Mitte August erhob man im Bürgerausschuß Klagen betreffs der Schüttung an den Fundamenten der Pfeiler und beantragte eine diesbezügliche Prüfung. Dazu kam es leider nicht und als man am 12. September bei dem nach dem Bürgergarten hin liegenden Pfeiler die Stützungen abnahm, sackte er zusammen. Die Untersuchungen und das Gutachten des Sachverständigen, des Baudirektors Hennemann aus Schwerin, stellte als Ursache fest, dass der Zement am Fuß des Pfeilers ausgewaschen war, also nicht gut gebunden hatte. Die Zementmischung der Trümmer erwies sich als verschieden, meist als schlecht. Zuweilen fehlte der Zement ganz. Auch hatte man die Pfeiler ohne Fangdamm errichtet, so dass der Andrang des Wassers beim Bau zu groß gewesen war.
                                                                                                             Dieser Pfeiler musste vollständig erneuert werden. Der andere konnte stehen bleiben,
                                                                                                             da seine Errichtung im Trocknen möglich gewesen war. Die Kosten der Brücke
                                                                                                             betrugen 16223 Mark an die Baufirma und 850 Mark an den Baumeister Klett."

  Heute heißt diese Straße Willi-Fründt-Straße nach einem Grabower Mitglied der KPD, der 1944 im Konzentrationslager Neuen Gamme ermordet wurde.
                                                                                                                                                                                                                            

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