Fritz Reuter

 
 
  Wenn wir in Grabow von Fritz Reuter hören, denken wir nicht nur an die Fritz Reuter Straße, an das Fritz-
  Reuter Haus
oder an die ehemalige Fritz Reuter Schule. Die älteren Grabower erinnern sich vielleicht an die
  "Läuschen und Rimels" und an "Unkel Bräsig".
  Wir kennen Fritz Reuter nicht nur als Humoristen sondern als Kritiker an den sozialen Zuständen der damaligen
  Zeit.  Wer das Grabower Heimatmuseum besucht hat, erfährt etwas über die Beziehungen, die Fritz Reuter
  zur
Stadt Grabow hatte:

- Als Zwölfjähriger besuchte er auf einer Reise nach Braunschweig auch Grabow und bewunderte die meck-
  lenburgischen Kavalleriepferde der in Grabow liegenden Dragoner.

- In Parchim lernte er als Gymnasiast Friedrich Franz Floerke, den späteren Burgermeister von Grabow kennen
  und legte gemeinsam mit ihm das Abitur ab.

- Nachdem Reuter wegen hochverräterischer burschenschaftlichen Verbindungen in Jena zum Tode, danach
  zu 30 Jahren Festung verurteilt wurde, hat man ihn von einer preußischen Festung zur anderen geschleppt.
  Abgemildert wurde die Strafe später auf Betreiben des Großherzogs von Mecklenburg zu acht Jahren.
  Bei seiner Auslieferung nach Mecklenburg in die Festung Dömitz kam er 1839 durch Grabow und traf seinen
  Schulkameraden Floerke wieder. Im 25. Kapitel seiner "Festungstid" erzählt Reuter über diese Begegnung:

 

    "Un as wi bi Warnow äwer de Grenz kemen – adjüs ok Preußen! –, dunn was't düster worden, un as wi
    nah Grabow kemen un vör den Keller führten, dat wi de Nacht dorbliwen wullen, dunn säd 'ne Stimm up de
    Ramp vör den Hus': »Gute Nacht, und morgen wollen wir das Nähere besprechen.« – Un dese Stimm hadd
    ick vör acht Johr taum letzten Mal hürt, as sei mit mine tausam Antwurd gaww in dat mündliche
    Schaulexamen, wo uns de oll Herr Konrekter frog: »Wieviel mal ist Konstantinopel erobert worden?
   « Un ick kennte dese Stimm in'n Düstern wedder, un wer mi dat nich tau glöwen will, de frag den Herrn Hofrat
    Franz Flürk tau Grabow. – »Gun Abend, Franz!« röp ick ut den Wagen, »täuw noch en beten!« – Un as ick
    nu mit minen Schandoren tau Rum un gegen't Licht kamm, freu'te de olle Knaw sick ordentlich un verget
    ganz, dat hei Burmeister was un ick Delinquent. – De acht Johr hadden en schönen Slagbom tüschen uns
    smeten, un nu is de Tun noch höger worden dörch den Hofratstitel, un paß einer up! – dor kümmt mit de Tid
    noch en Hakelwark baben up, denn wo lang' ward't wohren, denn möt hei jo doch wat Geheims warden, un
    dortau ward ick mi sihr freuen, denn heww ick ok en geheimen Duzbrauder. Äwer den Abend wull de
    Schandor ganz utenanner gahn, as hei hürte, dat de Burmeister sick mit den Vagebunden duzte, un as hei
    sach, dat hei mit em 'ne Buddel Win drünk; hei kreg 'ne slichte Meinung von de meckelnbörgschen Beamten,
    äwer mitdrinken ded hei doch. – Franzing, weitst woll noch?
 

- Ein Jahr später wurde Reuter aus der Festungshaft entlassen. Er kam wieder durch Grabow und fand erneut
  freundliche Aufnahme bei Floerke.

- Später taucht Floerke mehrfach in den Dichtungen von Reuter auf. Bei seinen Besuchen in Grabow hat
  Reuter auch ein Erzeugnis der Grabower Bäcker kennen gelernt, den Klingenklöpper, dem er in
  "Läuschen un  Rimels"  ein Gedicht gewidmet hat.
 

 

 

  Literatur:
  Oscar Kurz: Reuter in Grabow,
  in
Grabow in Mecklenburg, Die bunte Stadt an der Elde, Sonderdruck der Mecklenburgischen Monatshefte,
  Bd. 11 (1935), 127, S. 383 - 413

 

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