Der Ludwigsluster Hauptmeilenstein - ein beachtenswertes Denkmal

  
Ein wichtiger Postkurs verlief im 18. und 19. Jahrhundert von Berlin nach Hamburg. Ein recht beschwerlicher meist unbefestigter Sandweg führte von Berlin zunächst über Lenzen, Lübtheen, Boizenburg weiter nach Hamburg.
Zwischen 1826 und 1829 wurde die erste ordentliche Chaussee von Hamburg nach Berlin gebaut.
Diese führte über Perleberg, Grabow, Ludwigslust, Redefin und Boizenburg. Somit entstand die erste
so genannte Kunststraße in Mecklenburg, welche heute Teil der Bundesstraße 5 ist.

Im Zusammenhang mit dem Straßenbau wurden Meilensteine errichtet, sie  dienten einerseits zur Straßenlängenmessung und andererseits zeigten sie  einem Reisenden die Entfernung seines Ziels an.

In Ludwigslust ließ der mecklenburgische Großherzog Friedrich Franz I. aus Prestigegründen einen besonders großen Meilenstein aufstellen, denn Ludwigslust war von 1756 bis 1837 Hauptresidenz des mecklenburgischen Herrscherhauses.

Dieser Hauptmeilenstein ist der höchste und älteste Meilenstein im heutigen  Mecklenburg-Vorpommern. So heißt es in der damaligen Literatur:

"Vor dem Grabower Tor in Ludwigslust ist an der Berlin-Hamburger Chaussee  'ein colossaler Granitblock als Normal-Meilenzeiger' aufgestellt worden." .

  Der Nullpunkt für die Meilensteine, also auch für den Ludwigsluster Meilenstein, lag wahrscheinlich in der Stadt  Hamburg. Von dort aus
  betrug die Entfernung bis Ludwigslust auf der Chaussee 16 Meilen, mit dem Faktor 7,5  multipliziert, ergibt sich ein Weg von 120 Kilometern.

  Aus einem Bericht des Schweriner Kammer-Registrators Jeppe erfahren wir woher das Material stammt und wie  es transportiert wurde:  

    "Die Granitblöcke dazu wurden im Acker des Hauswirthe zu Stolpe gefunden, Gesims- und Stufenstücke theils zu Toddin, theils in der Gegend von Wittenburg. [...] Ihre Höhe beträgt mit Ausschluß der Stufen 25 Fuß, und sämmtliche Kosten etwa 8400 Rthlr."

    Die Spitze und der Sockel wurden über Grabow zu Schlitten herangefahren. Der 16-Fuß-lange Mittelteil konnte wegen der schweren Last kein Wagen oder Schlitten tragen und man schloss ihn deshalb in eine hölzerne Walze ein und umgab diese mit dicken eisernen Reifen. Auf ebener Fläche wurde die Walze von 80 Pferden gezogen, wo Höhen oder schmale Dämme waren, wurden sie durch Handwinden in Bewegung gesetzt.

   Der aus mehreren Steinblöcken zusammengesetzte Hauptmeilenstein in Ludwigslust ist außerdem zu allen
   Seiten  von 3 Granitstufen umgeben. Der Obelisk steht also auf einem Podest, welches ebenfalls aus
   Einzelblöcken  besteht.
   Am unteren Ende des Ludwigsluster Hauptmeilensteins sind 4 gußeiserne Platten mit Inschriften
   angebracht,  welche auf Richtungen und Entfernungen hinweisen.
   Um 1875 wurden mit der Einführung des Metermaßes in Preußen, welches in Mecklenburg auch
   übernommen  wurde, Änderungen vorgenommen.

   Der nächste Meilenstein in Richtung Berlin steht in Grabow, Berliner Straße - Ecke - Lenzener Chaussee
   siehe nebenstehendes Bild. In Richtung Hamburg findet man den nächsten Meilenstein in Kummer.

   Aus heutiger Sicht sind die Meilensteine ein technisches Denkmal für den Bau der Hamburg-Berliner-
   Chaussee.

   Literaturhinweis:
   Arbeitsmaterial der Forschungsgruppe Preußische, Mecklenburgische und Anhaltische Meilensteine e.V.
   (AM) Nr. 34 und (AM) Nr. 33

     


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