Baum neben dem Rathaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

       Aus unserem Wohnzimmerfenster sehen wir täglich einen stattlichen Baum.
   Im Frühling erfreuen wir uns an seiner Blütenpracht. 
   Was ist das für ein Baum? Wer hat ihn gepflanzt? Welche Bedeutung hat er?

   Eine Eiche oder eine Linde wie auf anderen Marktplätzen ist es nicht, das beweist
   seine Blütenpracht? Wartet man bis die Früchte reif sind, so stellt man mit Erstaunen
   fest, dass es sich um gelbe Pflaumen handelt.

   Sollten diese Plaumen ein Zeichen für den Rat der Stadt oder sogar den
   Bürgermeister sein?   Bestimmt nicht!


Langjährige Anwohner vom Marktplatz wissen, was sich vor mehr als 50 Jahren zugetragen hat.
Auf dem Platz links neben dem Rathaus, wo bis 1945 zwei Fachwerkhäuser standen, wurde eine Grünanlage geschaffen. Es wurden eine Rosenrabatte angelegt und ein Mandelbäumchen gepflanzt

Nein, es waren keine Apfel-, Birnen- oder Pflaumenbäume. Es war zur Zierde der Anlage nur ein sogenanntes Mandelbäumchen.

Es ist bekannt, dass der Mandelbaum Prunus triloba oft auf eine andere Unterlage z.B. eine Pflaume okuliert wird. So war es auch bei dem Mandelbäumchen auf dem Markt.

Die Krone des Mandelbäumchens auf dem Markt hat auf Dauer nicht überlebt. Aus Unkenntnis wurden bei Pflegearbeiten anstatt der wilden Triebe des Pflaumenbaumes die schwächeren Zweige des Ziergehölzes entfernt. Geblieben ist nur die wilde Unterlage, ein Pflaumenbaum.

   Ein Bild aus dem Jahre 1957 zeigt Sigrid Templin im Frühjahr 1957 auf der
   Anlage neben dem Mandelbäumchen.

   Eine ähnliche kleine Geschichte lässt sich über das Denkmal berichten, das auf
   obigem Bild mitten auf der Grünanlage zu sehen ist.
   Zuerst stand es vor der „Wille’schen Mühle“ in der Binnung. Als Kinder sind wir
   auf diesem Denkmal herumgeturnt. Ein Mann der einen Mehlsack anhebt
  
oder absetzt, paßte zu seinem Platz vor der Mühle.  Später erhielt das Denkmal
   seinen Platz auf der Grünanlage neben dem Rathaus. 1985 kehrte es zur  Mühle
   zurück.

    Auf dem Platz am Markt wurde eine Gedenktafel mit folgendem Wortlaut
    aufgestellt:
 
 "3. Mai 1945  - Grabow wird durch die Rote Armee vom Faschismus befreit".

    Nach der Wende sind beide Denkmale verschwunden.
   
Vor den verfallenen Gebäuden der ehemaligen Mühle wäre "der Mann mit dem
    Mehlsack" auch heute kein Schmuckstück mehr.
    An einem würdigen Ort in Grabow hätte dieses Denkmal jedoch an die
    Mühlentradition aus vergangener Zeit in Grabow erinnern können.
    Die Befreiung Grabows vom Faschismus war offenbar 1991 nach der Wende
    kein zeitgemäßes Thema mehr. Die Gedenktafel wurde entfernt mit dem Ziel
    einer Neugestaltung der Grünanlage, die aber bis heute nicht erfolgt ist.  

    Den  Stadtvätern möchte ich raten:

    Denkmale aufzustellen ist gefährlich,
    manche Denkmäler gibt es, weil zu spät gedacht wurde.   
           

    Pflanzt lieber Blumen und Ziersträucher, an denen sich die meisten Einwohner und nicht nur der Denkmalschutz erfreuen.
    Uwe Sonnemann                                                   

Zurück