Großer Wandrahm, Kleiner Wandrahm


  Im Mittelalter teilte man Städte in bestimmte Viertel ein. Für Grabow ist bereits aus dem Jahre 1558 die Einteilung in "Rundes Viertel", "Kleines Viertel",
  "Langes Viertel" und "Wandrahmsches Viertel" bekannt. Erst nach dem Großen Brand der Stadt Grabow im Jahre 1725 setzte sich eine Einteilung in
  Straßen durch. Das Wandrahmsche Viertel lag nordöstlich von der Marktstraße. Am Rande des Wandrahmschen Viertels gab es vor 1725 einen
  Wandrahmenplatz, an den sich dann die Eldewiesen anschlossen.

  Der Name Wandrahmen kommt aus dem Tuchmachergewerbe. Wandrahmen waren fest
  im Boden verankerte Holzrahmen, die von Wandschneidern für die mit Seife, Färbemitteln
  und Holzkämme behandelte Tücher zum Trocknen aufgestellt waren.

  Die Haus und Bürgerliste aus dem Jahre 1725 weist für das Wandrahmsche Viertel u.a.
  folgende Tuchmacher oder Leineweber aus:

  166. Johann Martiens, Tuchmacher und privilegierter Wandschneider
  170. Hinrich Reddelin, Wandschneider
  175. Friedrich Danehl, Leineweber
  177. Jochim und Friedrich Lützenhoff, beide Leinweber
  188. Stampehl, Tuchmacher
  198. Christoph Lüdert, Leineweber
  207. Heinrich Lüdert, Leineweber
  208. Hinrich Schmidt, Tuchmacher
  222. Hans Joachim Danehl, Leineweber

  In den anderen Vierteln wohnten 1725 weitere 12 Tuchmacher bzw. Leineweber.
 
  Auch 1818 gab es unter den 330 ansässigen Handwerkern in Grabow noch 4 Tuch-
  und Friesmacher, 2 Tuchscherer, 13 Weber und 1 Färber.  Die Anzahl der Weber
                                         
  und Tuchmacher ging mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erheblich zurück.
  Der letzte Leinweber in Grabow war Carl Danehl, der 1910 im Alter von 83 Jahren die
  Innung der Leineweber in Grabow auflöste.


 

   Literatur:

  - O. Kurz: Der große Brand Grabows 1725 und der Wiederaufbau der Stadt,
    Grabow 1931
  - Erich Danehl: Die Grabower Leineweber, Eine Plauderei über ein altes Grabower
    Handwerkergeschlecht, Norddeutscher Leuchtturm, Wochenendbeilage der
    Norddeutschen Zeitung, Nr. 202, 10.03.1957


                                                                                                                                                                                                                             
                                                                                                                                                                                                                           1903

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